VERSCHWINDET DAS KARPALTUNNELSYNDROM EINFACH WIEDER? – PROGNOSE BEI KARPALTUNNELSYNDROM
Das Einschlafen der Hand in der Nacht nervt. Der Nachtschlaf ist dadurch gestört, immer wieder wacht man auf und muss die Hand bewegen oder aus dem Bett hängen lassen. Aber verschwindet das nicht einfach wieder von selbst?
Die klare Antwort: Jein 😉
Wie und wann das Karpaltunnelsyndrom aufgetreten ist, spielt sicherlich eine Rolle. Eine Gruppe von PatientInnen in unserer Ordination, sind die, die gerade ungewöhnlich viel mit den Händen gearbeitet haben. Ganz oben auf der Liste steht die Baustelle zuhause. Innerhalb von Wochen wird täglich über viele Stunden gestemmt, gesägt, verputzt, geschliffen. Und plötzlich schmerzen die Hände in der Nacht und schlafen ein. Alternativen sind auch die vermehrte Gartenarbeit mit zum Beispiel Zwicken von Zweigen über Stunden. Wenn dies tätsächlich das einzige Mal ist, dass solche Beschwerden aufgetreten sind, lehrt uns die klinische Erfahrung, dass Sie gute Chancen haben, diese auch wieder los zu werden. Mit Studien untermauern können wir diese Behauptung jedoch nicht.

Die zweite Gruppe von PatientInnen sind die, bei denen eigentlich immer wieder mal Beschwerden vom Karpaltunnelsyndrom vorliegen – mal schlafen die Hände in der Nacht ein, dann wieder nicht, mal fühlt es sich beim Autofahren oder Radfahren oder Schneiden von Gemüse beim Kochen komisch an, dann wieder nicht. Hier geht dann doch etwas über einen längeren Zeitraum vor sich.

Mehrere Studien haben sich mit dem Verlauf des unbehandelten Karpaltunnelsyndroms befasst. Betrachtet man dabei PatientInnen aus der Durchschnittsbevölkerung im Abstand von einem Jahr, so bleiben die Symptome wie Einschlafen oder Kribbeln der Hand bei mehr als zwei Drittel der PatientInnen gleich oder werden schlechter. Bei einem Dreiviertel ist auch der Schmerz gleich oder schlechter.
Umgekehrt kommt es im selben Zeitraum bei 20-30 % zu einer Verbesserung dieser Faktoren. Hier ist zu berücksichtigen, dass viele PatientInnen nach der Diagnose eines Karpaltunnelsyndroms die Belastung ihrer Hand im Alltag reduziert haben – sowohl wenn möglich im Bereich der Arbeit als auch bei Hobbies.
Heißt: einfach ein Verschwinden der Symptome ohne Änderung ist sehr unwahrscheinlich.
Studien, in denen PatientInnen, die in Betrieben mit viel handwerklicher Tätigkeit arbeiten, zeigen ein ähnliches Bild. Hier ist ein Verschwinden der Symptome nach drei Jahren so gut wie nicht vorgekommen. Auch suchten nur wenige PatientInnen einen Spezialisten wegen der Beschwerden auf – obwohl es effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt.
Erwähnenswert erscheint noch, dass eine längere Dauer der Symptome es unwahrscheinlicher macht, dass die Beschwerden verschwinden – eine frühe effektive Behandlung ist wichtig und somit unbedingt anzuraten.
Wir stehen Ihnen gerne für Beratung und Therapie zur Verfügung.
Priv. Doz. Dr. Doris Lieba-Samal
Spezialistin für die Diagnose und Behandlung des Karpaltunnelsyndroms
Als spezialisierte Neurologin biete ich Ihnen fundierte Diagnosen und individuelle Therapien für das Karpaltunnelsyndrom und verwandte Nervenbeschwerden. Vertrauen Sie auf mein Wissen und meine Erfahrung, um Ihre Beschwerden zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.
Mit meiner Spezialisierung auf das Karpaltunnelsyndrom unterstütze ich Sie kompetent auf Ihrem Weg zu Linderung und Heilung. Von der Diagnose bis zur individuellen Therapieplanung stehe ich Ihnen zur Seite.
Referenzen:
- Padua L et al. Multiperspective follow-up of untreated carpal tunnel syndrome – a multicenter study. Neurology 2001; 56: 1459-66
- Descatha A et al. Natural history and predictors of long-term pain and function among workers with hand symptoms. Arch Phys Med Rehabil 2013; 94 (7): 1293-99
- Resende LA et al. The natural history of carpal tunnel syndrome. A study of 20 hands evaluated 4 to 9 years after initial diagnosis. Electromyogr Clin Neurophysiol 2003; 43 (5): 301-4
