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WENN DAS KARPALTUNNELSYNDROM NICHT ALLEINE KOMMT – KARPALTUNNELSYNDDROM UND ANDERE ERKRANKUNGEN
01 November 2025
19. Mai 2026 durch Doris Lieba-Samal in Allgemein

KARPALTUNNELSYNDROM UND SCHNAPPFINGER – WAS HABEN SIE MITEINANDER ZU TUN?

Auf den ersten Blick scheint es etwas unverständlich – was hat das nächtliche Einschlafen der Hand mit dem Hängenbleiben des Fingers zu tun?

Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zur Einklemmung des Medianus-Nervs am Handgelenk im Karpaltunnel. Dieser ist eine natürliche Engstelle im Körper, gebildet aus den Knochen der Handwurzel und einem festen Band, genannt Retinaculum flexorum, das sich darüber ausspannt. Im Karpaltunnel sind sowohl der Medianus-Nerv als auch die Sehnen, die unsere Finger beugen. Wird es zu eng, meldet sich der Nerv. Genaues zu Symptomen und Ursachen können sie hier nachlesen. Nur so viel sei hier nochmals erwähnt: oft sind die Sehnen schuld, dass es für den Nerven knapp wird.

Ein Schnappfinger, auch genannt Triggerfinger oder schnellender Finger, bezeichnet das Hängenbleiben des Fingers, wenn man ihn versucht auszustrecken. Das ist einerseits störend im Alltag, andererseits sind oft Schmerzen damit verknüpft. Auch die Ursache für den Schnappfinger sind die Sehnen. Die Beugesehnen unserer Finger sind zur optimalen und sicheren Kraftübertagung über feste Ringbänder an den Gelenken fixiert. Normalerweise gleiten die Beugesehnen problemlos durch die Ringbänder. Beim Schnappfinger kommt es meist zu einer Verdickung beider beteiligten Strukturen – einerseits den Ringbandes, andererseits der Beugesehne, und so bleibt der Finger „hängen“.

Beide Probleme sind häufige Erkrankungen der Hände. Soweit wir bisher wissen, erhöht das Vorhandensein eines Schnappfingers nicht die Wahrscheinlichkeit für ein Karpaltunnelsyndrom. Wird aber eine Karpaltunnel-OP durchgeführt, erhöht sich das Risiko für die Entwicklung eines Schnappfingers deutlich.

8-11% der PatientInnen entwickeln im Anschluss daran einen Schnappfinger, meist innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Eingriff. Am häufigsten ist der Daumen betroffen (30%), danach der Mittelfinger (22-29%), der Ringfinger (20-22%) und am seltensten der Zeige- und kleine Finger (je 7-9%).

Durch alle Untersuchungen konsistent zeigt sich, dass Frauen etwa doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Hier wird vermutet, dass die hormonelle Umstellung im Zusammenhang mit der Menopause eine Auswirkung auf die Dicke der Sehnen hat. Für die üblichen Verdächtigen, also Erkrankungen, die eine Rolle bei der Entstehung des Karpaltunnelsyndroms spielen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Schilddrüsenerkrankungen und Rheumatoide Arthritis ist derzeit offen, ob sie nach der Karpaltunnel-OP des Risiko für die Entstehung des Schnappfingers erhöhen.

Aber warum kommt das jetzt hintereinander? Mögliche beitragende Faktoren sind einerseits die Schwellung, die im Anschluss an eine Karpaltunnel-OP lokal im Handgelenk auftritt und auch die Sehnen miterfasst, aber auch die  Veränderung der Mechanik der Hand. Der geschlossene Karpaltunnel ist eine Führungsschiene für den Nerven und die Beugesehnen der Finger. Bei der Karpaltunnel-OP wird das Dach des Tunnels durchtrennt, um den Nerv zu befreien. Durch die Öffnung des Karpaltunnels können der Nerv und die Sehnen nach oben ausweichen. Dadurch ändert sich der Eintrittswinkel der Sehnen unter dem Ringband. Er wird größer und führt somit vermutlich zu einer größeren Reibung, die dann wiederum das Zusammenspiel von Sehne und Ringband beeinträchtigt – der Finger schnappt.

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die größte Änderung für den Mittelfinger vorliegt – um bis zu 30°. Es folgen Ringfinger mit bis zu 20°, Daumen 18°, Zeigefinger 16° und die geringste Änderung beim kleinen Finger um bis zu 6°.

Anzumerken ist, dass all diese Studien mit der offenen Retinaculumspaltung, also der klassischen Karpaltunnel-OP durchgeführt wurden, da die minimal-invasive Variante noch nicht verfügbar war. Zukünftige Studien werden dies hoffentlich untersuchen.

Priv. Doz. Dr. Doris Lieba-Samal
Spezialistin für die Diagnose und Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Als spezialisierte Neurologin biete ich Ihnen fundierte Diagnosen und individuelle Therapien für das Karpaltunnelsyndrom und verwandte Nervenbeschwerden. Vertrauen Sie auf mein Wissen und meine Erfahrung, um Ihre Beschwerden zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Mit meiner Spezialisierung auf das Karpaltunnelsyndrom unterstütze ich Sie kompetent auf Ihrem Weg zu Linderung und Heilung. Von der Diagnose bis zur individuellen Therapieplanung stehe ich Ihnen zur Seite.

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Referenzen:

  1. Karalezli et al. Transverse carpal ligament and forearm fascia realease for the treatment of carpal tunnel syndrome change the entrance angle of flexor tendons to the A1 pulley: the relationship between carpal tunnel surgery and trigger finger occurence. The Scientific World Journal 2013; Article ID 630617
  2. Bouredoucen et al. Thumb metacrapophalangeal joint – Part II: Pathologies and imaging findings. Rofo 2026; DOI 10.1055/a-2830-5647
  3. Lo et al. High incidence of trigger finger after carpal tunnel release: a systematic review and meta-analysis. Int J Surgery 2023; 109: 2427-34
  4. Sallai et al. Trigger finger and carpal tunnel syndrome: a meta-analysis of co-occurence. J Plast Surg Hand Surg 2025; 60: 102-108
Doris Lieba-Samal

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