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SCHNAPPFINGER UND KARPALTUNNELSYNDROM – WAS HABEN SIE MITEINANDER ZU TUN?
19 Mai 2026
2. Juli 2026 durch Doris Lieba-Samal in Allgemein

IST DIE HAND NACH DER KARPALTUNNEL-OPERATION SCHWACH?

„Wenn ich mich wegen des Karpaltunnelsyndroms operieren lasse, ist meine Hand dann für immer schwächer?“ Das ist eine Frage, die wir oft hören und PatientInnen verständlicherweise Sorge bereitet. Deshalb haben wir uns entschieden, dieser Frage einen Artikel zu widmen.

Jeder Eingriff, der zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms eingesetzt wird, zielt darauf ab, das Band (Retinaculum flexorum), das den Nerven abdrückt, zu spalten. Es sind nur die Zugangswege zum Band, die den Unterschied ausmachen – Genaueres können Sie dazu hier nachlesen.

Wozu braucht man das Band beim Karpaltunnel?

Das Band hat evolutionär betrachtet einerseits die Aufgabe, die darunterliegenden Strukturen zu schützen, andererseits eine Führungsschiene für sie zu sein. Beim zum Beispiel klettern hält es Beugesehnen und Nerv fest am Knochen. Und auch zur effizienten Kraftübertragung der Beugemuskeln am Unterarm für die Finger spielt es eine Rolle. Da kann man es sich vorstellen wie die Sehne bei einem Bogen für Bogenschießen: wenn wir etwas am Bogen ziehen, wird die Sehne, die schon gespannt war, noch stärker vorgespannt.

Es machte durchaus Sinn. Nur haben wir im Laufe unserer Menschheitsgeschichte begonnen, uns einerseits anders fortzubewegen und andererseits so viel mit unseren Händen zu machen, dass es aufgrund der ausgeprägten mechanischen Belastung oft zu eng wird.  Unter anderem deshalb entsteht ein Karpaltunnelsyndrom. Insgesamt 5% der Bevölkerung darunter leiden. Ein häufiges Problem also. 30-40 % benötigen aufgrund des Karpaltunnelsyndroms einen invasiven Eingriff.

Was passiert, wenn man den Karpaltunnel spaltet?

Zuallererst sei gesagt: die Muskeln, die primär für die Griffkraft zuständig sind, liegen am Unterarm. Sie sind vom Eingriff selbst nicht betroffen und können auch nicht geschädigt werden. Aber die Sehnen, mit denen sie ihre Kraft auf die Finger übertragen, die sind beteiligt.

Durch die Spaltung des Bandes ist der Karpaltunnel nach oben hin offen und die darin enthaltenen Strukturen – nämlich der Medianusnerv und die neun langen Sehnen, die unsere Finger beugen – nutzen diesen Platz und bewegen sich nach oben. Um wieder auf den oben angeführten Sportbogen zurückzukommen: lassen wir die Sehne des Bogens wieder los, ist diese zwar gespannt, weniger als mit etwas mehr Auslenkung. Der Eingriff ändert also etwas an der Mechanik unserer Hand und das ist es, was man nach dem Eingriff spüren kann.

Wie groß ist der Kraftverlust?

Leider haben sich nur wenige Forschungsgruppen bisher mit dem Thema auseinandergesetzt. Eigentlich gibt es genau eine Studie, die nach der Jahrtausendwende, relativ rezent 2025, publiziert wurde. Die Autoren untersuchten 21 PatientInnen, bei denen eine offene Retinaculumspaltung, also die klassische Karpaltunnel-OP durchgeführt wurde. Bei diesen wurde die Kraft für Faustschluss und Pinzettgriff vor dem Eingriff sowie 3, 9 und 15 Wochen danach untersucht. Ab Woche 3 führten die Studienteilnehmenden ein Programm zur Kräftigung der Hand durch. Für beide Griffarten zeigte sich eine reduzierte Kraft für Woche 3 nach dem Eingriff im Vergleich zu vor dem Eingriff. Im Mittel ging die Kraft für den Faustschluss von 27,5 kg auf 22,3 kg zurück, für den Pinzettgriff von 7.3 kg auf 6.5 kg. Mit Woche 9 waren die Werte wieder auf dem Niveau von davor und mit Woche 15 zeigte sich eine Zunahme der Kraft im Vergleich zu vor dem Eingriff, nämlich für den Faustschluss auf 32.3 kg und den Pinzettgriff auf 8.1 kg.

Somit ist zusammenfassend zu sagen: ja, es gibt eine Abnahme der Kraft nach der Karpaltunnel-OP. Diese ist für kurz nach dem Eingriff zu erwarten und erholt sich für die offene Retinaculumspaltung in der Regel innerhalb von neun Wochen. Nach 15 Wochen ist die Hand dann kräftiger als zuvor. Weil: auch das Karpaltunnelsyndrom selbst macht schwach. Und: auch die anderen Beschwerden wie Einschlafen und Kribbeln der Hand verschwinden.

Ob die minimal-invasive Retinaculumspaltung da nochmals besser ist, kann momentan nicht beantwortet werden, wäre aber eine spannende Untersuchung.

Priv. Doz. Dr. Doris Lieba-Samal
Spezialistin für die Diagnose und Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Als spezialisierte Neurologin biete ich Ihnen fundierte Diagnosen und individuelle Therapien für das Karpaltunnelsyndrom und verwandte Nervenbeschwerden. Vertrauen Sie auf mein Wissen und meine Erfahrung, um Ihre Beschwerden zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Mit meiner Spezialisierung auf das Karpaltunnelsyndrom unterstütze ich Sie kompetent auf Ihrem Weg zu Linderung und Heilung. Von der Diagnose bis zur individuellen Therapieplanung stehe ich Ihnen zur Seite.

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Referenzen:

  1. Tzanis E. et al. Anatomical and functional changes after surgical treatment of carpal tunnel syndrome: a review. Cureus 17 (12): e99904. DOI 10.7759/cureus.99904
  2. Tzanis E. et al. Early functional outcomes and recovery of hand strength after carpal tunnel release. Cureus 18 (4): e107461. DOI 10.7759/cureus.107461
Doris Lieba-Samal

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